12 Tage mit Print und Blog

Ein Rückblick auf zwei Wochen FORUM JUNGER THEATERKRITIKER, den Workshop für junge Kulturjournalisten während der Biennale NEUE STÜCKE AUS EUROPA. Stückchenweise persönliche Statements.
12 Tage mit Print und Blog

FORUM JUNGER THEATERKRITIKER

Das waren schon äusserst produktive vierzehn Tage in Wiesbaden. Ein bisschen meine ich das auch euphemistisch, denn es wäre gelogen zu sagen, dass mir das dichtgedrängte Programm nicht auch manchmal zu schaffen machte. Das Redigieren der Texte musste zack-zack gehen, und es fehlte oft die Zeit, um auf Fragen zur persönlichen Schreibe einzugehen. Also, sie fehlte auch auf meiner Seite. Denn neben Redaktionsstress und allabendlichen Theaterbesuchen, die ich teilweise noch verdauen musste, kam ich selten dazu, meine Texte selber durchzugehen.
Kurz: Es gab enorm viel Output, den ich gerne mehr reflektiert hätte. Auch gerade der Frage, was denn online funktioniert und was eher im Printmedium, wäre ich gerne, theoretisch wie praktisch, intensiver nachgegangen. Das alles sage ich allerdings vor dem Hintergrund, dass mir das Forum, wie auch das Festival, sehr Spass gemacht hat. Ich habe völlig neue Theaterformen gesehen und gleichzeitig einen kleinen, aber wertvollen Überblick über die Theaterszene Europas erhalten. Wäre mehr Zeit gewesen, wäre vielleicht auch öfters mal Stimmung im Festivalzelt aufgekommen. (Lena Rittmeyer)
Was nehme ich von der Biennale mit nach Hause? Zunächst mal diese Jutetragetasche mit dem New-Plays-Logo. Darin dann Eintrittskarten zu 12 Vorstellungen, ein zerfledderter Katalog und ein Haufen Zettel mit jetzt unlesbaren Zeichen, während den Aufführungen im Dunkeln hingekritzelt. Mitgenommen die Atmosphäre, den Dialog, Impulse für eigenes Schreiben. Festgestellt, das ich am Blog die schnellen Formate mag und auch gerne mache oder Reportagen, Interviews im Print. Mal wieder gemerkt, dass ich typisch Hildesheim-sozialisiert bin und mir Stücke und Texte vor allem auch aus produktionsästhetischer Perspektive anschaue. Die reine Theaterkritik kann ich nicht schreiben, ohne selbst auch Theater zu machen, ohne zu wissen, wie das Rampenlicht einem den Schweiß aus den Poren treibt. (Karl Wolfgang Flender)
Aus Frankreich, Finnland, Fern: Fremde und Freunde haben sich hier gefunden, familiäre und freundliche Festivalatmosfäre fersprüht. Forstellungen haben ge- oder sind durchgefallen, mit faszinierenden Fassungen oder ferfälschten Fabrikationen. Man verfolgte die folle Reihenfolge, denn sofern man nicht flott oder flüchtig, ferpasste man fielleicht eine Forstellung – ferdammt! Ferner fabrizierten findige Foren fiele Ferse. Faulsein ferboten! Mit fielen fleißigen Kritikerfersuchern und zwei Forumsanführern war man beim Ferfassen aber nicht föllig ferloren und forsch dabei, wenn auch nicht immer fehlerfrei. Freude hat es gebracht, Frisches fertraut gemacht. Finaler Befund: Fein, fein, fein, nur leider fix forbei. (Lea Gerschwitz)
Eigentlich habe ich Gruppenarbeit an der Uni immer gehasst. Beim FORUM JUNGER THEATERKRITIKER musste ich nun aber feststellen, und das hat mich wirklich positiv überrascht, dass Gruppenarbeit auch riesigen Spaß machen kann. Wenn jeder motiviert, belastbar und gut drauf ist und niemand sich zu sehr in den Vordergrund drängelt, weil alle gleichermaßen daran interessiert sind, ein möglichst tolles Ergebnis zu erreichen. Ich habe dabei gesehen, was ich alles noch nicht kann, aber auch gelernt, mehr auf meine Stärken zu vertrauen. Und vielleicht klappt das ja auch bei meinem nächsten Uni-Referat. (Judith Drokur)
Zwei Wochen Festivalalltag, das sind zwei unalltägliche Wochen: Ein bunt zusammengewürfelter Haufen Künstler, Kritiker und Organisatoren findet sich überrascht an einem kleinen Theater wieder und muss versuchen, aus der Situation das Beste zu machen. Es ist uns gelungen. Der Workshop (wenn denn der Begriff berechtigt ist) – unsere kleine Redaktion – war bereichernd, spannend und manchmal auch ärgerlich. Meine Neigung zu – man ahnt es – Gedankenstrichen beispielsweise wurde mir mit der Peitsche ausgetrieben. Das war – nicht sonderlich – erfolgreich, aber den Blick auf Texte veränderte es zweifellos zum Besseren. Man lernte dazu, in einem Kreis von manchmal überarbeiteten, manchmal müden, immer aber großartigen und glücklicherweise eigenwilligen Menschen. Und das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen erscheint mir ungemein lesbar. Und das Festival selbst? Einmal mehr das klassische und schöne Barthes-Zitat: “Ich habe das Theater immer sehr geliebt, und dennoch gehe ich fast nie mehr hin.” (Jakob C. Heller)
Gefüttert mit:
– befreiender Interview-Enthemmung,
– exzellenter Schauspielblickschärfung,
– schmerzhafter Trennung zwischen Autor und Journalist,
– schmerzhafter Textentthronung,
– Ent-man-nungsgespür,
– theatereuropäischer Horizonterweiterung,
– überraschend essbarem Kantinenessen,
– schwelender Bloglust,
– bundesdeutscher Prägnanz,
– physisch spürbarem Festivalfieber,
– Einblicken in die Kritikerzunft,
– quälenden Selbst- und genüsslichen Fremdkürzungserfahrungen,
– erwachtem Fotografiermut
und noch allerlei mehr, folglich noch im Zustand leichter Überfütterung frohlocke ich angesichts des morgen beginnenden Urlaubs, der mich all die Nährstoffe verdauen und kanalisieren lassen wird und erlaube mir zwecks Rückfütterung den Griff zur simpelsten und unjournalistischsten aller Kritikermethoden, die aber auch sehr befriedigend ist: Ich vergebe euch enthusiasmiert 10 von 10 Punkten! Oder 100 von 100, oder 1000 von 1000. Danke für alles! (Martin Thomas Pesl)
Seit meiner Rückkehr nach Wien sagen mir die Leute, wie “erholt” ich aussehe und fragen, wie es denn “im Urlaub war”. “Ich war nicht im Urlaub, ich hab gearbeitet!” antworte ich dann und beginne zu schwärmen von unserer Festivalredaktion. Das, was die Leute bei mir als Post Holiday Syndrom zu erkennen meinen, ist etwas anderes: Das Glücklich-Sein über die Herausforderung, der man sich stellen durfte. Das Bewältigen vom journalistischen Alltag in Echtzeitsituationen.
Das Erkennen der eigenen Schwächen, zweite Anläufe unternehmen, lernen, sich verbessern. Dabei die Unterstützung von zwei vifen und einfühlsamen Workshopleitern und einem Redaktionsteam, das am gleichen Strang zieht. Und wenn einem dazwischen auch mal gesagt wird, dass die eigene Schreibe ganz schön was taugt, dann geht das natürlich runter wie Öl, in einer Lebensphase, in der Zweifel und Orientierungslosigkeit ein böses Spiel mit den Twentysomethings treiben. Ich bin aus diesen zwölf Tagen mit viel Stärke zurückgekehrt und unglaublich dankbar dafür. (Valerie Kattenfeld)