Östrogendominanz – was ist das eigentlich?

Östrogendominanz ist die Ursache für das Prämenstruelle Syndrom (PMS) und auch für viele Wechseljahresbeschwerden.
Da viele Frauen und auch Frauenärzte bei uns hauptsächlich an Östrogenmangel denken, wenn es um Wechseljahresbeschwerden geht, wird oft ein vermeintlicher Östrogenmangel behandelt, wo eigentlich ein Östrogenüberschuss herrscht. Deshalb ist ein sorgfältiger Hormontest vor der Behandlung sinnvoll, da die Beschwerden u.U. sonst verstärkt werden, wenn weiteres Östrogen zugeführt wird.
Lassen Sie mich die Östrogendominanz anhand der bei vielen Wechseljahresfrauen vorkommenden Blutungsstörungen erläutern:

Östrogendominanz - was ist das eigentlich?

Östrogen ist das Hormon

Östrogen ist das Hormon, das in der ersten Zyklushälfte gebildet wird, um den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut anzuregen.
Progesteron dagegen ist für den Umbau der Schleimhaut zuständig, damit sich ein befruchtetes Ei gut einnisten kann. Wenn keine Einnistung stattfindet, sinkt der Progesteronspiegel wieder und die Schleimhaut blutet vollständig ab.
Wenn der Östrogenspiegel hoch oder auch nur normal ist, der Progesteronspiegel aber wegen fehlender Eisprünge zu niedrig ist, hat das Östrogen damit seinen Gegenspieler verloren. Dann geht der monatliche Aufbau der Gebärmutterschleimhaut unvermindert weiter, auch in der eigentlichen zweiten Zyklushälfte. Wenn die Schleimhaut schließlich abgestoßen wird, kann es zu starken, oft tagelangen Blutungen kommen. Trotzdem blutet die Schleimhaut aber oft nicht restlos ab, sondern „läuft über“, es kommt zu den sog. „Durchbruchblutungen“.
Diese Durchbruchblutungen sind wie ein „Abbröckeln“ der Schleimhaut, es blutet oben ab und wird trotzdem von unten nachgebildet. Dies ist ein Zustand, der generell der ärztlichen Überwachung bedarf, da Gewebe, das einer permanenten Reizung ausgesetzt ist (in diesem Fall die Schleimhautzellen dem Östrogenreiz), leichter zur Entartung neigt als üblich.
Für die Frau kann dieser Zustand, besonders wenn er länger anhält, ziemlich belastend sein. Einige Frauen nehmen Zuflucht in einer operativen Entfernung der Gebärmutter, dabei ist dieser Eingriff aber selten notwendig, da sich die starken Blutungen von selbst legen wenn sich die Frauen der Menopause nähern. Aber wer will schon so lange warten, zumal dieser Zustand vielleicht ein Jahr, vielleicht aber auch sieben Jahre dauern kann?
Das Östrogen braucht einen neuen Gegenspieler. Das kann natürliches Progesteron sein, das es als Creme oder auch als Kapsel gibt, die sich schlucken oder auch vaginal anwenden lassen, auch pflanzliche Präparate wie z.B. Agnus Castus (Mönchspfeffer oder Keuschlamm) ist sehr erfolgreich.
Wild Yams oder auch Yamswurzel enthält Diosgenin, eine Progesteronvorstufe, aus der unser Körper selbst durch einen einfachen Syntheseschritt natürliches Progesteron herstellen kann.
Oder eben Gestagene, wie sie z.B. in oralen Verhütungsmitteln enthalten sind.
Da Östrogen auch im Fettgewebe gebildet wird, sind Frauen, die zu viel Körperfett haben, oft stärker betroffen. Hier bringen körperliche Bewegung und eine kalorienbewusste Ernährung häufig Abhilfe.
Sehr gute Erfolge erzielen viele Frauen auch mit Akupunktur und traditioneller chinesischer Medizin.
In ganz schweren Fällen kann die Gebärmutterschleimhaut auch chirurgisch verödet werden, wobei die Gebärmutter jedoch erhalten bleibt.
Wenn die Frauen über lange Zeit bluten, fühlen sie sich oft schlapp und kaputt. Das liegt aber weniger am vermuteten Eisenmangel, sondern vielmehr daran, dass ein erhöhter Östrogenspiegel Auswirkungen auf die Schilddrüsenhormone hat. Östrogen ist in der Lage, die Schilddrüsenhormone teilweise zu neutralisieren, so dass bei normalen Schilddrüsenwerten faktisch eine Schilddrüsenunterfunktion besteht.
Daher sollte eine Frau, die unter Östrogendominanz leidet, auch ihre Schilddrüse im Auge behalten.
Das bei der Östrogendominanz fehlende Progesteron fehlt dem Körper in mehrfacher Hinsicht: So braucht der Körper Progesteron für die Bildung anderer spezifischer Hormone. Progesteron ist beispielsweise für die Bildung von DHEA wichtig, das Nebennierenrindenhormon, das für  ein Gefühl von Vitalität und Energie, einen scharfen Verstand und guten Schlaf zuständig ist.
Unser Körper funktioniert wie ein Uhrwerk, bei dem ein Zahnrädchen in ein anderes greift. Fehlt ein Zahn, so gerät das ganze Uhrwerk aus dem Gleichgewicht. Eine genaue Ursachenforschung (in diesem Fall ein genauer Hormontest) kann helfen, den Zahn zu ersetzen und das Uhrwerk wieder in die gewünschte Form zu bringen.