Nahrungsmittelallergien

Jeder dritte Deutsche glaubt, unter einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Tatsächlich nachweisbar sind Nahrungsmittelallergien allerdings nur bei einem Zehntel dieser vermeintlichen Allergiker. Diese offensichtliche Unstimmigkeit hat verschiedene Ursachen:

Oftmals wird eine Diagnose nur aufgrund von positiven Testbefunden gestellt. Damit ist allerdings nur das Vorhandensein von spezifischen IgE-Antikörpern (s. a. Diagnostik) bewiesen. Erst wenn bewiesen ist, dass ein Allergenkontakt auch tatsächlich zu einer allergischen Reaktion führt, gilt die Diagnose als gesichert. Ein solcher Nachweis unterbleibt allerdings häufig in der Praxis.
Ein anderer Grund für die Fehleinschätzung vieler liegt darin begründet, dass alle Unverträglichkeiten – auch solche, die nicht allergisch bedingt sind – häufig als Allergie betitelt werden.

Nahrungsmittelallergien

Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel

Das vielfältige Lebensmittelangebot und die hohen Anforderungen im (Arbeits-)Alltag führen oftmals zu Unverträglichkeiten, die nicht krankheitsbedingt sind, sondern auf ein ungünstiges Essverhalten zurückzuführen sind.

Abgesehen davon gibt es aber auch eine große Bandbreite an Unverträglichkeitsreaktionen. Die häufigsten ohne allergischen Hintergrund sind z. B. Enzymdefekte wie die Laktoseintoleranz, Malabsorptionen wie die Fructosemalabsorption, Pseudoallergien auf Aromastoffe oder Zusatzstoffe sowie die Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Diagnose und Therapie nicht-allergischer Unverträglichkeitsreaktionen unterscheiden sich deutlich von den diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen bei Nahrungsmittelallergie.
Unverträglichkeitsreaktionen auf Nahrungsmittel werden nur dann als Allergien bezeichnet, wenn es sich um immunologisch vermittelte Reaktionen auf bestimmte Nahrungsmittelmittel oder deren Bestandteile handelt. Im Regelfall werden die Reaktionen über spezifische IgE-Antikörper vermittelt.

Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel

IgE-vermittelte allergische Reaktionen zeigen sich in der Regel innerhalb kürzester Zeit (Sekunden bis max. 2 Stunden) nach Allergenkontakt und werden deshalb auch alsSoforttypreaktionen bezeichnet. Am häufigsten kommt es zu Symptomen an der Haut (Juckreiz, Rötung, Quaddeln etc.), an den Atemwegen (Fließschnupfen, Atemnot, Asthma etc.) und im Bereich des Magen-Darm-Trakts (Erbrechen, Durchfall etc.) auf. Eine in der Regel schnell einsetzende, schwere Reaktion, bei der mehrere Organe inklusive des Herz-Kreislauf-Systems (Schwindel, Schwäche, Blutdruckabfall etc.) betroffen sind, ist die Anaphylaxie. Sie kann sich bis zum anaphylaktischen Schock (Kreislaufschock) entwickeln und tödlich verlaufen.

Eine Sonderform der Nahrungsmittelallergie, die pollenassoziierte Nahrungsmittelallergie, bezeichnet allergische Reaktionen, die aufgrund von so genannten Kreuzreaktionen auftreten. Beispielsweise reagieren viele Birkenpollenallergiker auch nach Verzehr von Kern- und Steinobst oder Nüssen allergisch. Prinzipiell können durch Kreuzreaktionen alle allergischen Symptome ausgelöst werden. Die häufigste Symptomatik der pollenassoziierten Lebensmittelallergie ist das Orale Allergie-Syndrom (OAS), das vorrangig im Kopf- und Halsbereich auftritt. Die Beschwerden können sich von Lippenkribbeln oder Ohrenjucken bis hin zu Schwellungen im Halsbereich mit Schluckstörungen und Luftnot äußern.