Ein neue Magazin zum Schrift buchstabieren

Wie bringt man Schrift ins Gespräch, als Lebensmittel und Weltprojekt, als Kunstobjekt und Kulturgut, und stellt dabei den Alphabetismus auch mal in Frage oder auf den Kopf? Wie bringt man das eigenwillige, manche sagen spröde Thema Schrift dem „normalen“ Menschen näher?
Die Typographische Gesellschaft München (tgm) versucht es mit einem besonderen Projekt, einem Magazin für alphabete Kultur mit dem sonderbaren Namen „ESCEHAERIEFTE“. Dieses Magazin sollte innerhalb eines Profiworkshops entstehen.

Ein Magazin zum Schrift buchstabieren

Magazin zum Schrift

Jetzt ist das Heft endlich fertig gedruckt! Die Release-Party findet kommenden Freitag, den 17. Juli 2009, im Literatur Moths in der Rumfordstraße 48, 80469 München statt.
Herausgekommen ist ein ungewöhnliches Magazin über Schrift, das Schreiben und das Geschriebene. Keine Fachpublikation, sondern eine Zeitschrift, welche das Thema Typografie aus dem Elfenbeinturm heraushebt. Ein populäres Magazin, das kurzweilig und hintergründig Schrift als Ausgangspunkt für die Erforschung unseres Alltags, der – auch ganz persönlichen – Geschichte, unserer Umwelt nimmt. „ESCEHAERIEFTE“ geht mit Schrift also eher so um, wie die Zeitschrift „mare“ mit dem Thema „Meer“.
Das Magazin forscht nach Wortsuppen, Klang-, Kunst- und Körperschriften, flaniert zwischen Zeitschriften und Schriftstellern, wagt den Spagat zwischen Heiliger Schrift und Vereinfachter Ausgangsschrift und nicht zuletzt dem Versuch, Alltagsgegenstände von Schrift zu befreien. Schrift, das wurde während des Projektes immer klarer, ist überall. Schrift ist weltumspannend, analog, digital, kyrillisch, arabisch, chinesisch, in Stein gemeißelt, geprägt, hingeworfen, unlesbar, bedeutungsgeladen, ambivalent, ziemlich konkret wie unheimlich beweglich und natürlich äußerst erotisch.
Beim ersten Durchblättern fallen einige typografische Spielereien auf: Spaltenlinien und Initialgebilde, die aus 2pt größen Schriften gesetzt sind (und die man mit etwas Anstrengung sogar lesen kann), eine Textseite über Analphabetismus, auf der man kaum ein Wort entziffern kann und fiktive Anzeigen. Vor allem der Inhalt ist es aber, der den Betrachter aber zu fesseln vermag. Es werden einige interessante Kunstprojekte vorgestellt, zum Beispiel die Arbeiten des spanischen Bildhauers Jaume Plensa, die Begriffswolken präsidialer Aussagen von R. Luke DuBois oder die Anagramme des Konzeptkünstlers Rudolf Herz. Der angesehene Sprachwissenschaftlern Harald Haarmann probiert es mit einer Provokation: Die Schriftgeschichte müsse neu geschrieben werden. Außerdem fallen einige Bildstrecken angenehm auf; beispielsweise über Graffiti in Iran, primitiven Tattoos und entkleidete Plastikflaschen. Als Grundschriften verwendet wurde übrigens die Fabiol von Robert Strauch und die Super Grotesk von Svend Smital (basierend auf einen Entwurf von Arno Drescher).
Die im Handel erwerbbare Auflage ist auf lediglich 1000 Stück limitiert. Man sollte also schnell handeln (bestellbar u.a. über escehaeriefte.de). Als Mitglied der tgm bekommt man das Heft allerdings umsonst zugesendet.
Und was hat nun der eigenwillige Name „ESCEHAERIEFTE“ zu bedeuten? Buchstabiere doch einfach das Wort „Schrift“.
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