Krankenhausinfektionen, Tagung

Krankenhausinfektionen – „nosokomial“ nennt sie der Fachmann – sind wirklich ein heißes Thema, wie ich gerade wieder durch einen Bericht aus dem persönlichen Umfeld erfahren habe. Gut, dass sich Fachleute und Praktiker damit in einer Tagung gründlich befassen – höchste Zeit, hoffentlich kommen Ergebnisse auch in der Praxis an.
Die Information habe ich einer Vorausmitteilung entnommen – deshalb die Zukunftsform, die ich belassen habe, obwohl die Tagung vom 18. bis 20. 9. gerade schon stattgefunden hat.

Krankenhausinfektionen, Tagung

Krankenhausinfektionen sind ein grosses Problem

Krankenhausinfektionen gehören zu den häufigsten Infektionen und den häufigsten Komplikationen medizinischer Behandlungen. Die Folgen solcher nosokomialen Infektionen sind zum Beispiel Lungenentzündungen, Wundinfektionen, Harnwegsinfekte oder Blutvergiftung (Sepsis). Besondere Bedeutung kommt dabei resistenten Bakterien zu, die die Wirkung von Antibiotika abschwächen oder neutralisieren und damit die Behandlung der Infektion erschweren oder gar unmöglich machen.
In Deutschland gibt es nach Schätzungen des Nationalen Referenzzentrums für die Surveillance von nosokomialen Infektionen jährlich 400.000 bis 600.000 Krankenhaus-Infektionen. Die verursachenden Erreger können durch Verschleppung der eigenen normalen Keimbesiedlung oder durch Übertragung von außen, zum Beispiel durch die Hände des medizinischen Personals, zur Infektion führen. Im Durchschnitt muss man bei Auftreten einer solchen Infektion von einer Verlängerung der Verweildauer von rund vier Tagen ausgehen. Umgerechnet heißt das, dass sechs Krankenhäuser mit jeweils 1.000 Betten nur daran arbeiten, Patienten mit Krankenhausinfektionen zu behandeln. Ein Teil der Krankenhaus-Infektionen ist durch geeignete Präventionsmaßnahmen vermeidbar.
Die Erreger von Krankenhausinfektionen und die Wirtsempfänglichkeit sind Thema einer von fünf europäischen Nationalakademien veranstalteten Tagung in Berlin (Landesvertretung Sachsen-Anhalt, Luisenstraße 18, Berlin-Mitte). Vom 18. bis 20. September 2008 diskutieren Mikrobiologen, Kliniker, Molekularbiologen und Experten des �-ffentlichen Gesundheitsdienstes Ergebnisse aus der Grundlagenforschung und neue Ansätze für die Prävention und Kontrolle von Krankenhausinfektionen. Unter den Referenten sind auch Experten von der Weltgesundheitsorganisation, vom Europäischen Zentrum für Krankheitskontrolle und vom Robert Koch-Institut.
Die fünf Themenkomplexe des Tagungsprogramms sind Nosokomiale Infektionen und �-ffentliche Gesundheit, Entwicklung von Resistenz- und Virulenzfaktoren, Interaktionen von Erreger und Wirt, Epidemiologie und mathematische Modellierungen sowie neue Strategien für Diagnostik und Intervention. Eröffnet wird die Tagung am 18. September 2008 um 14 Uhr von Volker ter Meulen, Präsident der kürzlich zu Deutschlands Nationaler Akademie der Wissenschaften ernannten Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. Veranstalter sind neben der Leopoldina die Royal Society in London, die Académie des Sciences in Paris, die Royal Swedish Academy und die Royal Netherlands Academy of Arts and Sciences.
Unterstützt wird die Tagung durch die Leopoldina, die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung, das EU-Projekt „Network of Excellence EuroPathoGenomics“ (NoE EPG), das Robert Koch-Institut und die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Die aus der Tagung resultierenden Erkenntnisse werden an. EASAC (European Academies Science Advisory Council) übermittelt, ein Gremium, in dem die Vertreter aller Nationalakademien der Europäischen Union zusammenarbeiten. EASAC wird Empfehlungen zur Kontrolle von Krankenhausinfektionen erstellen.